Erdbeben, Goaparty & die sieben Seen
Ronny | 4. März 2010Was für ein Start! Nachdem ich endlich mein neues Zuhause auf Rädern in Empfang nehmen konnte, ging es zuerst zurück nach El Bolson zu Klaus und Claudia um die Versicherung zu bezahlen und die dafür notwendigen Papiere abzuholen. Die beiden sind jahrelang durch die Welt gereist und haben sich vor 5 Jahren in der Nähe von El Bolson niedergelassen. Sie besitzen ein schönes Stück Land in einem Seitental entlang der Ruta 40. Bei Klaus bin ich dann auch auf ein paar andere motorisierte Traveller gestossen. Da war ein Paar aus Deutschland mit einem alten Armeefahrzeug, eine 4 köpfige Familie aus Deutschland mit Motorrädern, ein weiteres deutsches Paar mit einem Mitsubishi mit bündner Nummernschildern und schliesslich noch Marco mit seinem abgefahrenen Bus. Der Typ hat ein altes Fahrzeug vom “Amt für technische Anlagen und Lufthygiene des Kantons Zürich” und hat auf dem ohnehin schon hohen Bus noch einen Falt-Camper installiert! Unglaublich!
In El Bolson habe ich dann erfahren, dass zwischen Bariloche und El Bolson, am Lago Guiterrez die Moon Flower Party, ein 4 tägiges Outdoor Goa Festival, stattfindet. Also hab ich schnell Adan angerufen, der noch immer im Pudu Hostel in Bariloche war und mit dem Bus nach Bolson kommen wollte und ihm vom Festival erzählt. John und Emma, die irischen Besitzer des Hostels waren auch gleich begeistert und so haben wir abgemacht, uns am Festival zu treffen. Ich habe mich also auf den Weg zum besagten Camping am Lago Guiterrez gemacht und kurz nach El Bolson hab ich dann drei Mädels aus Chile aufgelesen, die auch auf dem Weg zum Festival waren.
Die vier Tage am Festival waren einsame Spitze! Der Van ist einfach nur perfekt für ein solches Spektakel. Man muss nicht im Zelt pennen, hat einen Kühlschrank und einen sicheren Platz für seine Wertsachen. Jeden Morgen bzw. Nachmittag nach dem Aufstehen schwammen wir eine Runde im saukalten aber sehr erfrischenden See und am Abend gab es zwei Floors, gemütlich eingerichtete Stände mit Essen und Trinken, eine Bar mit lokal gebrautem Bier und einen Haufen cooler Leute!
Die Party wurde überschattet vom unglaublichen Erdbeben, das sich über Nacht an der Pazifikküste, nur wenige 100 Km von der Chilenischen Küste und etwa 800 Km nordwestlich des Festivals ereignet hatte. Offenbar hat man das Beben auch hier gespürt, ich hab allerdings fest geschlafen und davon vorerst nichts mitgekriegt. Erst am nächsten Tag erzählten mir unsere neuen Freunde aus Chile von dem Erdbeben und dass niemand weiss wann und wie sie wieder nach Chile zurückkommen, geschweige denn, wie es deren Freunden und Familien ergangen ist. Wir sind dann einmal zurück nach Bariloche gefahren um Nahrung zu kaufen und all die besorgten Emails und SMS zu beantworten, die wir in der Zwischenzeit erhalten haben. Da hab ich dann zum ersten Mal die schrecklichen Bilder der Zerstörung gesehen. Vermutlich werde ich mir in ein paar Wochen selber ein Bild von Chile machen können.
Zurück von der Party schauten wir erneut im Pudu Hostel in Bariloche vorbei um Adans restliches Gepäck abzuholen und uns von John und Emma zu verabschieden. Wir machten uns dann auf den Weg nach Norden zu der sogenannten Tour der sieben Seen und kurz nach Bariloche trafen wir erneut auf einen unseren chilenischen Freunde, den wir am Festival kennengelernt hatten, der am Strassenrand auf eine Mitfahrgelegenheit wartete. Wir haben ihn schliesslich bis kurz vor die chilenische Grenze mitgenommen und sind dann nach Norden abgebogen, auf die Schotterpiste nach San Martin de Los Andes.
Viele Strassen in Argentinien sind “Ripio” also Schotterpisten, Fast nur die Hauptverbindngen zwischen den Grossstädten sind geteert und auch die sind meistens in ziemlich schlechtem Zustand. Es heisst also Augen auf auf den Strassen von Argentinien. Des Nachts sollte man aufs Fahren besser ganz verzichten. Die Strassen sind eng, viele fahren betrunken und/oder ohne Licht! Ich werd nur noch tagsüber fahren, sonst werd ich an der Karre nicht lange Freude haben.
Via San Martin fuhren wir gemütlich, vorbei an grossen und kleinen Seen durch Täler und über kleine Pässe nach Junin de Los Andes, in der Nähe vom Nationalpark Lanin, benannt nach dem gleichnamigen Vulkan an der Grenze zu Chile. Bei der Ankunft sah es noch ziemlich bitter aus, es war bewölkt und die Parkwächter warnten uns vor einem aufziehenden Sturm. Ausserdem gab es am Vortag offenbar noch ein ziemlich starkes Nachbeben, weshalb viele der Wanderwege geschlossen wurden und auch einige Strassen durch umgestürzte Bäume unpassierbar waren. Man riet uns davon ab, zu Nahe an Bäumen zu Campen, da diese bei einem weiteren Nachbeben womöglich umstürzen konnten. Wir fuhren also über die noch schlechtere Strasse um den Lago Huechulafquen zu einem Campingplatz am See mit einem Strand aus schwarzem Vulkansand. Bereits in der Nacht klärte sich der Himmel auf und wir konnten die Sterne sehen.
Am nächsten Tag war der Himmel wolkenlos und es bot sich eine atemberaubende Sicht auf den Vulkan Lanin. Es war einfach unglaublich. Am späteren Nachmittag fuhren wir zurück nach Junin de Los Andes und wollten eigentlich wieder zum Nationalpark zurückfahren, da diesmal aber echt dunkle Wolken aufzogen, entschieden wir uns, wieder Richtung Bariloche zu fahren. Die Landschaft da ist einfach unglaublich vielfältig und ändert sich ständig. Von üppigen Wäldern und bewaldeten Hügeln zu zerklüfteten Felsformationen über trockene Steppen. Als es dunkel wurde, haben wir auf einem Parkplatz angehalten, gegessen, Karten gespielt und bei ein paar Bier und Cuba Libres Southpark geschaut. Heute morgen haben wir die letzten 50 Kilometer zurück nach Bariloche in Angriff genommen und jetzt sitzen wir wieder bei unseren Freunden John & Emma im Pudu Hostel und beraten die nächsten Schritte. Das nächste grosse Ziel wird Buenos Aires sein. Dazwischen werden wir aber voraussichtlich nochmal nach Puerto Madryn zur Halbinsel Valdés fahren, denn jetzt ist Orka Saison. Mit etwas Glück kann man die riesigen Orkas dabei beobachten, wie sie Seehunde am Strand angreifen! Das wollen wir uns nicht entgehen lassen!







Kommentare