Monthly Archives: January 2010

Entspannen in El Bolsón

Das “Hippie-Paradies” El Bolsón ist wirklich nett. Ein kleiner Ort etwas südlich von Bariloche, wo sie ihr eigenes Bier brauen, wo es viele Bauern, selbstgemachte Brote und Kuchen und dreimal die Woche einen Markt gibt, an dem man selbstgemachtes Holzbesteck, Lederwaren oder frische Früchte kaufen kann. Auch sonst spürt man hier den Hippie Groove den ganzen Tag. Im Park vertreiben sich die ganzen jungen Hippies die Zeit mit Gitarrespielen, Singen oder Jonglieren, oder sie stellen Schmuck her, den sie dann am Markt verkaufen. Es wird viel gekifft und alles verläuft viel gemütlicher.

Wir haben die ganzen Tage hier nichts anderes gemacht als die Seele baumeln zu lassen und auszuspannen. Johnny ist bereits gestern nach Bariloche weitergefahren und wird da nur ein paar Tage verbringen um dann weiter nach Norden zu reisen. Ich werde dann morgen auch nach Bariloche fahren, jedoch werde ich da mindestens 10 Tage bleiben und nochmal eine Woche zur Schule gehen. Mein Spanisch hat sich zwar in den letzten Wochen extrem verbessert, aber mir fehlt natürlich noch einiges. Ausserdem kann ich so die Zeit sinnvoll nutzen, während ich auf meinen fahrbaren Untersatz warte.

Puerto Natales – El Calafate

Während der letzten Tage in Puerto Natales sind wir noch etwas durch die kleine Stadt geschlendert und haben uns mit Marc und den vier Mädels, die wir alle auf dem Torres del Paine Trek kennengelernt haben Essen gegangen. Anschliessend durften wir es uns im Hinterhof von Omars Hostel noch mit Wein und Bier gemütlich machen, ein Feuer anzünden und mit Gitarre und Gesang unser Torres del Paine erlebnis ausklingen lassen. Marc fliegt zu seiner Freundin nach Neu Kaledonien und die Mädels, die echt Hardcore Trekker sind, gehen nach El Chalten und trekken sich dort gleich weiter die Füsse wund. Für Johnny und mich heisst die nächste Station El Calafate.

El Calafate – Perito Moreno Gletscher

Ohne Touristen wäre in El Calafate wohl auch nicht viel los. An Jeder Ecke gibt es Souvenirläden und Tour-Büros um den nahegelegenen Perito Moreno Gletscher zu besichtigen. Unsere Pläne waren ziemlich unklar. Johnny möchte eben so rasch wie möglich nach Norden und ich möchte eigentlich irgendwo wo es mir gefällt die paar Wochen verbringen, bis ich endlich mein Auto übernehmen kann. El Chalten haben wir übersprungen denn vom Wandern und kalten Winden haben wir für den Moment genug und ich kann da immer nochmal hinfahren, wenn ich dann endlich mein Auto habe.
Einmal mehr wollten wir uns von den Touristenströmen loslösen und haben entschieden, uns wiedermal ein Auto zu mieten. Wir hatten zuvor den Tipp erhalten, dass der Nationalpark erst gegen 7.30 öffnet und man sich die happigen 75 Pesos Eintritt sparen könne, wenn man früher schon dort ist. Also sind wir um 5 Uhr aufgestanden, haben alles gepackt und haben uns gegen 6 Uhr auf den Weg zum ca. 70 km entfernten Gletscher gemacht. Jedoch haben die Parkwächter offenbar mittlerweile kapiert, dass sich gewisse Leute zu früh reinschleichen und so stand ein bewaffneter Parkwächter auch schon um 6.30 am Parkeingang und hinderte uns am kostenlosen Eintritt.
So mussten wir halt nochmal eine geschlagene halbe Stunde warten, konnten uns dafür den Sonnenaufgang anschauen. Immerhin waren wir die ersten Besucher im Park und konnten uns am Aussichtspunkt breitmachen. Der Gletscher schiebt sich pro Tag etwa 2 Meter nach vorne, was dazu führt, dass es im riesigen Eisfeld ständig laut knackt und Häusergrosse Eisberge abbrechen und mit viel getöse in den Lago Argentino fallen. Die Eiswand ragt steil etwa 60 Meter aus dem Wasser heraus und der erste Eisblock liess nicht lange auf sich warten. Riesige Stücke brachen aus der Eiswand und stürzten in die Tiefe. Leider fing es nach etwa einer Stunde stark zu regnen an, genau als die ersten Busse voll Touristen angekarrt kamen. So haben wir uns entschieden relativ früh wieder zurück nach El Calafate zu fahren und uns dafür noch auf die nächste 27 stündige Busfahrt nach El Bolson vorzubereiten.

Nun sitzen wir wieder im Bus und haben bereits etwa 20 Stunden Fahrt hinter uns. Leider gibt es auf dieser Strecke keine bzw. nur wenige der bequemen Cama Busse, also hab ich mir eine Flasche Rum mit auf den Bus genommen, damit ich wenigstens ein paar Stunden pennen kann. In ein paar Stunden werden wir in El Bolson ankommen, einer kleinen Hippiestadt wo sie ihr eigenes Bier brauen, und sich nicht gross um den Rest der Welt scheren. Ich bin gespannt.

Torres del Pain(e) in the ass

Torres del Paine war wirklich a pain in the ass!

Nachdem wir uns zuerst im Erratic Rock Hostel die kostenlose Informationsveranstaltung angehört haben waren wir bereit unsere Tour zu planen. Leider waren unsere Vorstellungen sehr unterschiedlich. Rahel wollte nur 3 Tage das berühmte “W” machen, Jonathan wollte in möglichst kurzer Zeit den kompletten Circuit machen und ich wollte eigentlich gemütlich den gesamten Circuit durchziehen. Damit alle zufrieden sind, haben wir uns für eine abgekürzte Version des Circuito entschieden. Und zwar den Circuit, ohne das “W”.

Insgesamt waren das ca. 70 Kilometer in 3.5 Tagen. Der erste Tag war noch ziemlich okay, das Wetter war stabil und der Weg war im Vergleich zum Trek in Ushuaia eine regelrechte Autobahn. Im ersten Camp haben wir uns entschieden, unsere Kräfte zu sparen und haben bereits gegen 15 Uhr das Zelt aufgestellt. Die Entscheidung nicht weiter zu gehen hat sich als weise herausgestellt, da schon am späten Nachmittag starker Regen eingesetzt hat.
Der zweite Tag führte uns durch das Tal bis zum Camp Los Perros und Rahel und mir verging schon die ganze Wanderlust. Durch den Regen war alles nass und sumpfig und das hüfthohe Gras bescherte uns klitschnasse Hosen. Als wir endlich im Camp los Perros, hinter dem gleichnamigen Gletscher angekommen waren, wollten wir am liebsten die Rega anrufen und uns abholen lassen. So sehr ist uns die Lust vergangen. Aber ab jetzt gab es kein zurück mehr. Vor uns lag der Paso John Gardener, den es zu überqueren galt.
Der Aufstieg zum Pass war wegen des unglaublich starken Windes sehr erschwerlich. Die Winde hier sind so stark, dass sie einen erwachsenen Mann mitsamt Rucksack einfach wegblasen können. Es war wirklich unglaublich. Als wir endlich auf dem Pass standen, waren die Winde so stark, dass man praktisch nicht mehr dagegen ankommen konnte. Schritt für Schritt kämpften wir uns gegen den Wind über die Krete, wo wir die einzigen 5 Minuten Sonne abgekriegt haben. Dafür bescherte uns dieses kleine Loch in den Wolken eine unglaubliche Aussicht auf den vor uns liegenden Gletscher Grey. Der Gletscher ist enorm. Selbst vom Pass aus konnte man nicht ausmachen, wie gross dieses Stück aus ewigem Eis ist.
Der Abstieg führte uns steil bergab durch rutschiges  und matschiges Terrain bis zum ersten Camp nach dem Pass. Doch dort gab es nur eine kurze Pause für eine Tasse heisse Suppe. Wir wollten bis zum nächsten Camp weiterlaufen und haben versucht, nicht zu sehr abzukühlen. Wenn man in dieser Nässe und Kälte anhält, kommt man kaum wieder in die Gänge. Jedoch standen uns zwei heikle Flussüberquerungen bevor. Der starke Regen hat die Flüsse in reissende Ströme verwandelt und Brücken gab es keine. Also musste man wohl oder übel durch das Wasser waten, oder versuchen mit grossen und präzisen Sprüngen trocken über den Fluss zu kommen. Doch es kam wie es kommen musste. Rahel rutschte aus und fiel mitsamt dem Rucksack in den Fluss. Wir konnten sie gerade noch festhalten, bevor der Bach sie mitgerissen hätte. Nun mussten wir unbedingt in Bewegung bleiben und liefen bis zum übernächsten Camp, dem Refugio Grey am Ende des Gletschers. Noch zweimal mussten wir solch starke Flüsse überqueren, doch diese beiden Male liefen wir einfach nur hindurch. Wir waren von Kopf bis Fuss mitsamt unseren Rucksäcken und dem Zelt durchnässt. Wir hofften nur noch, dass es im Refugio noch einen Schlafplatz in der warmen Hütte gab. Wir waren so frustriert und demotiviert. Wir hätten uns am liebsten nach Hause fliegen lassen.
Als wir endlich im Refugio angekommen waren, gab es zuerst eine heisse Schokolade und dann glücklicherweise ein mehr oder weniger warmes Zimmer, eine halbwegs warme Dusche und dann eine anständige Mahlzeit. Am nächsten Tag wollten wir unbedingt die erstbeste Fähre auf dem Lago Pehoe erwischen um so bald wie möglich wieder zurück in einem Hostel in Puerto Natales zu sein.
Glücklicherweise hatten wir heute strahlend schönes Wetter. Unsere Rucksäcke und Kleider trockneten, während wir die letzten 11 Kilometer zum Refigio Pehoe herunterliefen. Und auf dem Katamaran zurück zur Busstrecke konnten wir zum ersten mal das gesamte überwältigende Paine Massiv bestaunen. Die Berge sehen wunderschön aus, sofern die Sonne scheint und der Himmel blau ist. Drei Tage lang haben wir nichts von den ganzen Bergen und der ganzen Landschaft gesehen. Nur die triefenden Absätze des Vordermanns auf dem matschigen Weg.
Jetzt sitzen wir wieder im Warmen Hostel in Puerto Natales und in zwei Tagen geht es weiter nach El Calafate in Argentinien. Rahel wird voraussichtlich nach Punta Arenas fahren wo sie ein Flugzeug nach Puerto Montt erwischen will. Johnny und ich werden zuerst einmal nach Calfate und von dort aus nach El Chalten weiterreisen. Mit Trekking sind wir fürs erste fertig. Jeder Knochen und jeder Muskel tut weh. Alle Kleider stinken von Schweiss und der Nässe. Wir wollen beide wieder nach Norden, wo es wieder wärmer ist. Und bald werden sich wohl unsere Wege trennen. Ich werde auf mein Auto warten, und Johnny möchte in seiner restlichen Zeit noch bis nach Kolumbien hoch und will sich jetzt sputen. Wir werden sehen – Vamos a ver

Elevation Profile
Speed Profile

Ushuaia – Puerto Natales, Zeit für ein eigenes Auto

Nachdem letzten langen und ausführlichen Bericht jetzt mal etwas kurzes.

In Ushuaia habe ich mich noch mit Dieter getroffen, einem älteren Deutschen, der in nächster Zeit seinen Toyota Hiace verkaufen will. Ich habe irgendwo im Internet sein Inserat gesehen und möchte mir sowieso einen fahrbaren Untersatz zulegen. Busfahren ist hier ja ganz okay, aber man verpasst halt eine ganze Menge von der wunderschönen Landschaft. Ausserdem kann man nirgends anhalten, wenn man mit dem Bus unterwegs ist. Also muss ein Fahrzeug her!

Der Toyota war zwar alt, aber super im Schuss und ziemlich gut ausgebaut. Mit Bett, Wasserkanister, Vorzelt, vielem Werkzeug und allem was man so braucht für eine Reise durch Südamerika mit eigenem Auto. Ich habe Ihm gesagt, dass ich mich innerhalb einer Woche entscheiden werde.

Am Samstag sind wir mit dem Bus von Ushuaia nach Puerto Natales in Chile gefahren. Auf der Busfahrt haben wir auch das erstemal Bekanntschaft mit gründlichen Zollbeamten gemacht. Die Grenzüberquerung hat gute 2 Stunden gedauert. Wir mussten das gesamte Gepäck durch den Röntgenscanner laufen lassen, da es verboten ist, Früchte, Fleisch und andere frische Lebensmittel über die Grenze zu nehmen. Nach etwa 15 Stunden kamen wir endlich in Puerto Natales an.
Puerto Natales ist ein hübsches, kleines und verschlafenes Nest. Da es jedoch quasi das Sprungbrett für den Nationalpark Torres del Paine darstellt, wimmelt es hier von Travellern, Touristen und Kletterern.

Als ich im Hostel ein paar deutschen Kletterern gesagt habe, dass ich mir ein Auto kaufen wolle, haben die mir gesagt, dass ein paar Strassen weiter ein geiler Dodge Camper von einem Amerikaner steht, der zu verkaufen sei. Also bin ich los und hab mir das Ding angeschaut. Es war Liebe auf den ersten Blick! Es ist ein ’94er Dodge RAM350 Camper mit kompletter Ausstattung: Küche mit Gasherd und Kühlschrank, eine Dusche, eine Toilette, Strom über einen separaten Generator, Betten, und einem satten, blubbernden 5.2 Liter V8 Dodge Motor.

Ich hab den Jungs gesagt, ich müsse mir das überlegen. Schliesslich kostet diese Karre mehr als das Doppelte von dem was der Toyota kosten würde. Jedoch ist da natürlich auch viel mehr dran. Abgesehen davon ist das Auto 10 Jahre jünger und Ersatzteile findet man hier an jeder Strassenecke. Zwei Stunden später stand ich schon wieder vor dem Van, schaute mir alles nochmal gründlich an, machte eine Probefahrt und dann haben wir den Deal per Handschlag besiegelt. In ca. 4-5 Wochen darf ich das Baby mein neues Zuhause nennen. Ich kann es kaum erwarten

Morgen geht es in den Nationalpark Torres del Paine auf die nächste Wanderung. Jetzt brauchen wir aber noch ein Zelt, Nahrung, Beinzin für den Kocher und ein paar Infos. Bald gibts Bilder vom bekanntesten Trek der Welt.

Into the Wild

Eines war Jonathan und mir schon vor unserer Ankunft in Ushuaia klar. Wir wollen uns selber und unser angeschafftes Equipment einem Härtetest unterziehen und eine mehrtägige Wanderung abseits der Zivilisation machen, bevor wir uns dann demvon Touristen überlaufenen Parcour im Nationalpark Torres del Paine in Chile stellen. Ich habe mir ja schliesslich extra den Lonely Planet “Trekking in the patagonian Andes” gekauft, damit wir uns gut auf die Treks vorbereiten können. Auch Rahel aus Zürich war mit von der Partie.
Eigentlich haben wir uns den Dientes Circuit auf der chilenischen Seite des Beagle Kanals vorgenommen. Als wir aber erfahren haben, dass die Fähre über den Kanal ca 120 US$ kostet – wohlbemerkt nur für die Hinfahrt – haben wir uns kurzerhand umentschieden und uns den Valdivieso Circuit ausgewählt. Im Lonely Planet gibt es für die Trekks drei Schwierigkeitsstufen: easy, moderate und demanding. Was heisst nun demanding genau? Anspruchsvoll? Sehr schwierig? Unrealistisch für ein deutsch/schweizerisches Team mit Berg- und Wandererfahrung? Kann ja wohl nicht sein….
Auch die Warnung im Trekking Guide konnte uns nicht von unserem Plan abhalten:

The Valdivieso Circuit

Duration: 4 days
Distance: 48.5km
Difficulty: demanding
Start: Ruta Nacional 3 (16km from Ushuaia)
Finish: Posada del Peregrino
Summary: An adventurous trek through the heart of the Argentine Fuegian Andes, crossing superb rugged wilderness in splendid isolation.

Warning
The Valdivieso Circuit follows a largely unmarked and little-trodden route through rugged and challenging country. It is therefore suitable only for fit and self-reliant parties with good navigational skills.
Even summer weather is highly erratic, with sudden southerly storms – be alert to changes in the weather. Streams (especially the Río Olivia) bevome difficult to cross safely after rain. Parties should carry at least two extra days of supplies in order to wait for better weather and/or for stream levels to fall.

Das klang nach Abenteuer, Wildnis, abseits der Zivilisation. Genau wonach wir gesucht haben. Also haben wir gut Nahrung, einen Kompass und eine Karte der Region gekauft, ein Zelt gemietet, unsere Rucksäcke gepackt und haben uns mit einem Taxi auf den Weg gemacht…

Tag 1 – von Ushuaia vor den Paso Beban

Nur 1½ Stunden sollte laut dem Lonely Planet der erste Tagesabschnitt dauern. Da erreicht man das einzige Refugio (vergleichbar mit kleinen Berghütten) auf der gesamten Strecke. Für uns klang das eher nach Schulausflug und Kindergartenwanderung, wenn der erste Tagesanschnitt nur 1½ Stunden dauern sollte. Wir haben beschlossen, am Refugio gleich weiterzugehen um uns einen Vorsprung gegenüber der beschriebenen Route rauszuholen.
Mit Karte und Kompass haben wir uns einen Weg durch das Valle Tierra Mayor geschlagen, ein sumpfiges Gebiet in dem man gerne mal bis zu den Knöcheln im Sumpf drin steht. Weiter durch dichte Wälder und noch dichteres Unterholz. Nach einer guten Stunde sind wir beim Refugio angekommen und haben dort kurz Rast gemacht. Dort sind wir auch auf Jamie, einen jungen Wanderer aus Ushuaia getroffen der offenbar auf dem Rückweg von der Laguna war und beim Refugio auch eine Pause eingelegt hat. Jamie sollte für die nächsten zwei Tage der letzte Mensch gewesen sein, den wir zu Gesicht bekommen.

Der weitere Weg führte uns durch sumpfiges Gelände und dichtes Gestrüpp. Wie im Lonely Planet beschrieben, gibt es weit und breit keine markierten Wege, nur ab und zu einen überwucherten Trampelpfad. So haben wir uns weiter ins Tal vor dem Paso Beban vorgearbeitet, vorbei an Biberdämmen, abgestorbenen, toten Wäldern bis hin zu einem kleinen Seitental, welches uns zum Pass führen sollte. Etwa gegen 16 Uhr haben wir den höchsten Punkt im Tal erreicht, eine steinige Anhöhe wovon man eine wunderbare Aussicht auf die Umliegenden Berge und das Tal hatte, das wir soeben durchschritten haben. Ausserdem haben wir die ersten Schneefelder passiert. Dort haben wir auch einen ersten Blick auf den ersten, der beiden Passhöhen werfen können. Von weitem sahen die Pässe nicht gerade einladend aus. Steil und schneebedeckt. Sollte das unser Weg sein?
Wir haben unser Zelt aufgestellt und dabei dann festgestellt, dass wir für unser 4 Personen Zelt gerade mal 5 Häringe dabeihatten. Eigentlich bräuchte man, um es sauber abspannen zu können mindestens 8 Stück, besser wären wohl 10. Egal, Steine hatte es mehr als genug, also haben wir das Zelt mit grossen Steinen beschwert und behelfsmässig mit Riemen und Schnüren hinter einer kleinen Felswand aufgestellt, Feuer gemacht und den Benzinkocher angemacht. Für das erste Abendessen haben wir gehacktes Rindfleisch, Bohnen, Zwiebeln und Bouillon dabei um uns ein einfaches Chili con Carne zuzubereiten. Damit haben wir offenbar auch unseren ersten Besucher angelockt, einen patagonischen Fuchs, der gemächlich um unser Camp herumgestreift ist, vermutlich in der Hoffnung, etwas von unserem Mahl zu ergattern. Vom Refugio hatten wir noch eine Flasche Rotwein dabei, für die wir im Refugio ein paar Pesos hinterlassen haben. Vollgegessen und müde haben wir uns schlafen gelegt.

Tag 2 – Paso Beban 1&2 und das Valle Torito

Am nächsten Morgen sind wir ziemlich spät aufgewacht. Es war bereits etwa 10 Uhr und bis wir gefrühstückt und alles abgeräumt hatten, war schon fast Mittag. Wettermässig hatten wir ziemliches Glück, es hat nur wenig gewindet, nicht geregnet und auch am Morgen schien die Sonne. Doch die im Trekking Guide erwähnten schnellen Wetterwechsel sollten nicht lange auf sich warten lassen. Auf dem weiteren Weg zum Paso Beban schlug das Wetter innerhalb weniger Minuten um und es hat angefangen zu regnen.
Etwa 1½ Stunden später standen wir vor dem Pass. Er sah zwar nicht mehr so krass aus, wie noch aus ein paar Kilometern entfernung, trotzdem ging es da immer noch ziemlich steil nach oben. Zwischen zwei Schneefeldern gab es eine Möglichkeit da hochzukommen. Einen steilen Hang übersäät mit abgebrochenen Schieferplatten, den wir mit immer noch ziemlich schweren Rucksäcken langsam hochgekrochen sind. Etwas über der Hälfte glaubte ich links von uns in einer Felsformation, so etwas wie einen Gang durch die Schieferklippen zu sehen. Nach einer kurzen Diskussion mit Jonathan und Rahel haben wir uns kurzzeitig getrennt; die beiden sind weiter über die steile Schneise aus Schieferplatten gekrochen, während ich mich etwas entfernt und versucht habe, über die Felsen über den Pass zu kommen.
Mittlerweile hat sich das Wetter in einen fiesen windigen Schneesturm gewandelt und der vermeintliche Gang war jedoch nur etwa 2 Meter lang, danach kam eigentlich nichts mehr, ausser einer Wand aus nassem, brüchigen Schiefergestein. Zurück konnte ich nicht mehr, also gab es nur noch einen Weg, und zwar nach oben. Langsam und vorsichtig habe ich mich hochgearbeitet. Der schwere Rucksack hat mich ständig runtergezogen und aus dem brüchigen Schiefer brachen ständig grosse Stücke aus, die hintermir den steilen Hang runtergerutscht sind. Nach etwa 10 Minuten habe ich die anderen beiden jedoch wieder eingeholt und mich vorsichtig wieder zu ihnen runter gewagt. Kurze Zeit später standen wir alle drei völlig durchnässt auf dem ersten der beiden Pässe.
Der zweite Pass lag nur etwa 20 Minuten hinter dem ersten Pass auf der anderen Seite eines Tals, das einst von einem Gletscher geformt wurde. Wir haben dann versucht, so wenig wie möglich an Höhe zu verlieren und sind um den Hang herum über weitere Schneefelder auf den zweiten Pass gestapft. Mittlerweile hatten wir wieder blauen Himmel über uns und konnten auf der einen Seite hinunter zu dem kleinen Bergsee im Falso Beban Tal sehen. Vor uns lag das Tal, das uns wieder hinunter entlang dem Rio Torito führen sollte. Der Abstieg war weniger steil, als der Aufstieg und bot uns eine eindrückliche Sicht über das Tal, dass wiederum einst von einem Gletscher in die Berge gefressen wurde.
Die Wälder hier sind sehr oft Tot und ausgestorben, abgeholzt durch kanadische Biber. Davon wurden um 1940 25(!) Päärchen aus Kanada eingeführt. Doch weil die Biber hier keine natürlichen Feinde haben, gibt es davon mittlerweile geschätzte 250’000 Exemplare. Die Auswirkungen auf die Natur, vorallem die Wälder sind katastrophal. Überall fällen sie mit Ihren Zähnen hunderte von Bäumen und bauen Biberdämme, die dann ganze Wälder, Sümpfe und Moore überfluten. Die Biber gelten hier offiziell als Plage und oft werden die Biberdämme wieder zerstört um die Konsequenzen für die Natur so gering wie möglich zu halten. Doch die Biber sind natürlich schneller und bauen einfach neue Dämme.
Da wir an diesem Tag so spät aufgebrochen sind, haben wir natürlich unseren Vorsprung verloren und sind bis zum im Trekking Guide genannten, nächsten Checkpoint gelaufen. Einem weiteren Biberdamm unterhalb des Salto (Wasserfall) Azul, der eindrücklich ins Tal stürzt. Mittlerweile schmerzten unsere Füsse und unsere Schultern und Rücken von der Last und dem stetigen Abstieg. Morgen müssten wir früh genug aufstehen um nicht ins hintertreffen zu kommen. Schliesslich hatten wir bereits unsere Bustickets für Samstag gekauft. Einen Tag verspätung haben wir eingeplant, aber eben, wir mussten uns von jetzt an an den vorgegebenen Zeitplan halten, um rechtzeitig zurück nach Ushuaia zu kommen.

Tag 3 – vom Salto Azul nach Bahia Torito

Als wir am nächsten Tag aufgewacht sind war, oh Schreck, bereits 10.30 Uhr! Wir haben alle den Wecker nicht gehört und haben alle sauber durchgepennt. Darum haben wir zum Frühstück nur ein paar Cracker und unsere kalten Reste von Käse und Salami verzehrt und uns gleich weiter auf den Weg gemacht. Mittlerweile wurden unsere Rucksäcke spürbar leichter, doch das Wetter zeigte sich jetzt von der unfreundlichen Seite. Man konnte in keine Richtung die Gipfel der Berge erkennen und es nieselte die ganze Zeit.
Vorbei am Salto Azul konnten wir in der Ferne, auf der anderen Seite des Rio Torito vier Wanderer ausmachen die weiter dem Fluss folgten. Wir jedoch mussten jetzt irgendwo wieder nach links, in südlicher Richtung einen weiteren Pass erklimmen. Wegen des anhaltenden Regens haben wir uns entschieden, die Bergflanke im Wald zu überwinden, was sich allerdings als ziemlich schlechte Idee herausstellte. Hier war der Wald dicht, und zwar wirklich dicht. Wir sind kaum vorwärts gekommen. Wir haben dann versucht weiter östlich auf die Felsigen Plateaus zu gelangen um zwar im Regen und auf steilem steinigem Gelände, aber immerhin ausserhalb des Waldes aufzusteigen.
Die Energie und die Motivation, die wir am Anfang verspürt haben waren definitiv weit gesunken und als wir auf einer sumpfigen Terasse eine kurze Pause eingelegt habe, konnte ich es nicht mehr verkneifen, den Gedanken auszusprechen, der sich seit etwa zwei Stunden in meinem Kopf breitmachte: Übung abbrechen oder weitermachen? Zurück über den Pass konnten wir nicht, dazu war der Aufstieg zu steil gewesen. Und wenn wir weitergingen gab es kein zurück mehr und wir mussten damit rechnen, nicht mehr Rechtzeitig nach Ushuaia zurückzukommen und unseren Bus nach Puerto Natales zu verpassen. Auf der Karte habe ich gesehen, dass am Ende des Tals eine kleine Ortschaft -Bahia Torito – eingezeichnet war. Da führte zwar keine Strasse hin, aber irgendwie mussten die Bewohner dort ja Lebensmittel beschaffen. Ich konnte mich auch erinnern, irgendwo gelesen zu haben, dass es eine Schiffsverbindung von Bahia Torito nach Tolhuen geben sollte, das wiederum an der Ruta Nacional 3 (RN3) liegt, von wo aus wir einen Bus oder eine Mitfahrgelegenheit nach Ushuaia finden könnten. Von der Stelle aus, an der wir uns befanden konne man bereits den grossen Lago Fagnano sehen, an welchem Bahia Torito liegt.
Wir waren alle drei nicht sicher wie wir weiter vorgehen sollten. 50:50. Nach einer kurzen Lagebesprechung haben wir uns für den sicheren Weg entschieden und sind wieder umgekehrt. Zurück hinunter ins Tal zum Rio Torito um weiter dem Fluss zu folgen. An einem weiteren Biberdamm haben wir dann tatsächlich noch zwei Biber gesehen die gemütlich durch das kalte Wasser schwammen.
Kurz bevor das Tal nach rechts abbog standen wir vor einem grossen Wasserfall. Wir mussten zuerst den mittlerweile ziemlich grossen und starken Rio Torito überqueren um weiter hinunter ins Tal zu gelangen. Mit grossen Sätzen über aus dem Wasser herausragenden Steine konnten wir auf eine kleine Insel in der Mitte des Flusses gelangen. Von da aus mussten wir über morsche Baumstämme balancieren um den Strom oberhalb des Wasserfalls zu überqueren. Kurze Zeit später konnten wir ziemlich frische Fussspuren ausmachen – vermutlich von den vier Wanderern, die wir am Vormittag gesehen haben. Die Spur verlor sich aber kurz darauf wieder und wir suchten uns weiter unseren Weg durch das dichte und schier undurchdringliche Gehölz. Das Vorwärtskommen war extrem beschwerlich doch langsam aber sicher konnten wir weiter ins Tal herabsteigen wo wir dann endlich wieder auf einen Trampelpfad stiessen, dem folgen konnten. Irgendwann ging der Pfad in eine Fahrzeugspur über, die von einem Quad stammen musste. Für ein Auto war die Breite der Spuren zu schmal. Diesem Weg folgten wir bis nach Bahia Torito.
Bahia Torito besteht im Wesentlichen aus 5 Häusern und einem kleinen Schiffsteg. Die paar Leute waren freundlich und sagten uns, sie würden uns morgen für 100 Pesos pro Person mit dem Boot zur Laguna Palacios fahren, wo es eine Strasse zurück zur Ruta Nacional 3 gibt. Auf der anderen Seite des Flusses könnten wir unser Zelt aufschlagen, es sei auch schon ein einzelner Wanderer dort. Es war Jamie, der Wanderer, den wir schon beim Refugio Bonete getroffen haben. Er ist von dort aus mit einer Gruppe einheimischer Wanderer nach Bahia Torito gelaufen, die Gruppe, die wir am Vormittag gesehen hatten.
Wir stellten unser Zelt auf, haben unsere Pasta gekocht und mit Jamie geteilt, der uns dafür Kaffeepulver und Nesquick mit Pulvermilche gegeben hat und uns bald schlafen gelegt, wieder guter Dinge am nächsten Tag baldmöglichst zurück nach Ushuaia zu kommen.

Tag 4 – von Bahia Torito zurück nach Ushuaia

Wie ausgemacht kam um Punkt 10 Uhr das Boot beim Schiffsteg an, das uns etwa 40km entlang dem Lago Fagnano zum nächsten Nest – Laguna Palacio – bringen sollte. Die schnelle und windige Fahrt kostete satte 100 Pesos pro Person. Das ist zwar eigentlich nicht viel (knapp 30 CHF) aber für Argentinische Verhältnisse ein schöner Batzen. Lag. Palacio besteht sogar nur aus 3 Häusern, aber immerhin gab es hier eine Strasse zurück zur Zivilisation, der Ruta Nacional 3. Jamie sagte uns, eine Freundin werde ihm am Nachmittag mit dem Auto entgegenkommen und könnte uns dann auch mit zurück nach Ushuaia nehmen. Also sind wir gelaufen und gelaufen und gelaufen. Bei der  Laguna Bombilla sind wir nochmals runter zum See gelaufen und haben uns eine weitere Pause gegönnt bevor wir uns wieder auf den langen Weg zur RN 3 gemacht haben. Mehrere Autos haben uns passiert, jedoch immer in die falsche Richtung um uns mitnehmen zu können. Und dann endlich, gegen 17 Uhr erkannte Jamie das Auto der Freundin, auf das wir alle so lange gewartet haben. Jonathan und Rahel sind gleich im Auto eingeschlafen und eine Stunde später standen wir endlich wieder vor dem Freestyle Hostel in Ushuaia!

Nach einer ausgiebigen Dusche – wir haben gestunken wie die Schweine – gönnten wir uns im besten Tenedor Libre (all you can eat) der Stadt so viel zu Essen, dass wir kaum mehr aufstehen konnten. Nun konnten wir endlich wieder vollgefressen in einem warmen Bett schlafen…

Und was lernen wir daraus? Wenn im Trekking Guide demanding steht, dann meinen die das auch so. Es war fucking demanding! Aber ein Super erlebnis. Die Eindrücke und Bilder der wilden Feuerländ’schen Anden waren einmalig und unvergesslich. Ausserdem konnten wir Erfahrungen sammeln, was wir in Sachen Nahrung und Gewicht beim nächsten mal besser machen können. Schliesslich steht in knapp einer Woche schon der nächste Trek vor der Tür. Dann werden wir uns den Circuit im National Park Torres del Paine antun. 5-8 Tage, Schwierigkeitsgrad: moderate – demanding. Aber dafür nicht mehr soweit ab vom Schuss, vermutlich völlig mit Touristen überlaufen und es gibt gut ausgerüstete Zeltplätze an jeder Ecke.

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