Orkas, Reparaturen & Stadtverkehr
Ronny | 23. März 2010Obwohl uns alle möglichen Leute gesagt haben, dass die Chancen die Orkas zu sehen verschwindend gering seien, konnten wir doch einen Teilerfolg erzielen. Offenbar waren die Orkas nicht hungrig genug um die Seehunde am Strand zu attackieren, aber immerhin konnten wir sie beobachten, wie sie mehrmals am Strand vorbeizogen und sich im Wasser tummelten. Ausserdem erhielten wir am Parkplatz noch Besuch von einem haarigen Gürteltier. Soweit also ein Erfolg. Die Schotterpisten auf der Halbinsel waren allerdings nicht optimal für die mittlerweile alten Reifen. Die haben schliesslich eine 20′000 Meilen Reise hinter sich und als wir endlich wieder auf dem asphaltierten Rückweg nach Puerto Madryn waren, bemerkten wir ein Holpern am Auto und bei genauerem Hinsehen stellte sich heraus, dass ein Reifen kurz davor war zu explodieren. Zum Glück hatten wir einen brandneuen Ersatzreifen am Start und das Problem war relativ schnell gelöst.
Am nächsten Tag verabschiedeten wir uns von Jona und Paula und machten uns auf die Suche nach passenden Reifen. Nach einigen erfolglosen Anläufen haben wir dann endlich zwei neue Michellin Reifen erwerben können und machten uns auf den Weg nach Norden. Die Landschaft änderte sich nicht mehr so schnell und oft wie auf der Ruta 25 aber die Ruta 3 war trotzdem ziemlich eindrucksvoll. Über 100 Kilometer einfach nur geradeaus – Strasse bis zum Horizont und nur ab und zu ein kleines Dörfchen oder eine Tankstelle. Nach ein paar Stunden fahrt erreichten wir Las Grutas, ein mehr oder weniger bekannter Badeort in einer Bucht südlich von Bahia Blanca. Jedoch ist die Urlaubssaison vorüber und Las Grutas erschien ziemlich ausgestorben. Obwohl wir ziemlich schnell abgemacht haben am nächsten Tag weiterzufahren sind wir dann doch 3 Tage lang dageblieben, haben ein paar Leute kennengelernt, waren zu einem Asado eingeladen und hatten einen schönen Nachmittag am Meer.
Bahia Blanca sollte unser nächster Stopp auf unserem Weg nach Buenos Aires werden und als wir am späten Nachmittag in die Stadt hineinfuhren dachten wir erneut, hier werden wir wohl nicht lange bleiben. Autofahren in Städten erfordert echt Nerven! Einmal mehr überrannte uns die Nacht und da wir grundsätzlich nicht irgendwo mitten in einer Stadt in Argentinien am Strassenrand parken und schlafen wollen, sind wir nochmals 50km weiter nach Pehuen Co gefahren wo wir einen schönen, aber menschenleeren Campingplatz am Meer gefunden haben. Während wir über die nächsten Schritte nachdachten kam mir eine Idee. Ich lese im Moment ein Buch, das ich im Auto gefunden habe über zwei 55 jährige Amis, die mit einem Van durch ganz Nord-, Mittel- und Südamerika gefahren sind und immer wieder Mitglieder des Rotary Clubs aufgesucht haben um eine vertrauenswürdige Person vor Ort zu kennen, die einem bei grossen und kleinen Problemen helfen kann. Ich bin zwar nicht wohlhabend genug für den Rotary Club, aber ich bin ja bei Couchsurfing angemeldet! Also hab ich in der Gruppe von Bahia Blanca eine Nachricht gepostet, dass wir in der Nähe sind und einen sicheren Platz zum schlafen suchen. Innerhalb von nur wenigen Minuten erhielt ich eine Antwort von Vicky, die uns einen sicheren Parkplatz vor dem Haus ihres Chefs vermittelte. Ausserdem lud sie uns zu sich nach Hause ein wo wir zusammen mit zwei weiteren COuchsurfern aus Kolumbien bei Pizza und Bier einen super Abend hatten. Später gingen wir noch in einen Club und kamen erst um 6 Uhr zurück zum Van. Am nächsten Tag haben wir uns wiedermal auf die Suche nach Gas für den Kühlschrank und den Kochherd gemacht. Gas zu finden ist grundsätzlich ganz einfach, nur brauchen wir jemand, der uns den Tank auf illegale Weise befüllt, da wir an unserem Wagen andere Anschlüsse haben. Nach ein paar Stunden Suchen, Fragen, Weitersuchen und Weiterfragen haben wir schliesslich jemanden gefunden, der stolz erklärte, er befülle alles was man befüllen kann… Am Abend haben wir uns mit Santiago und Sole von Couchsurfing zu einem Bier verabredet und am nächsten Tag sind wir gegen mittag weiter in Richtung Mar del Plata gefahren. Bahia Blanca war schliesslich doch noch ein voller Erfolg und ein prima Erlebnis!
Nach ein paar Stunden bemerkten wir ein komisches Geräusch an der Radaufhängung, also haben wir an der nächstbesten Tankstelle mitten im Nirgendwo einen Stopp eingelegt um herauszufinden was da nicht stimmte. Zufälligerweise sah uns ein Lastwagenfahrer, der uns spontan seine Hilfe anbot und das Problem innerhalb von 10 Minuten gelöst hat. Als Dank überreichten wir ihm eine Flasche Wein, die ich damals in El Bolson gekauft hatte und schon waren wir wieder am Start. Wir konnten es kaum fassen.
In Mar del Plata angekommen wurden wir wieder auf die Probe gestellt. Etwa 600′000 Menschen leben hier und Autofahren ist noch schlimmer als in Bahia Blanca. Aber schliesslich muss ich mich wohl oder übel daran gewöhnen und mit dem halsbrecherischen Fahrstil der Argentinier klarkommen. Schliesslich sind wir auf dem Weg nach Buenos Aires mit seinen 13 Millionen Einwohnern! Nach den guten Erfahrungen mit Couchsurfing haben wir erneut eine Nachricht in der Gruppe Mar del Plata hinterlassen und haben wieder ziemlich schnell eine Antwort erhalten. Marina bot uns an, vor dem Haus ihrer Eltern zu parkieren also machten wir uns auf die Suche nach der entsprechenden Strasse. Adan erweist sich als ein super GPS! Er kapiert sofort wo wir sind, wo wir hinmüssen und leitet mich durch die immer Schachbrettförmig angeordneten Blocks. Das Viertel war okay, nicht schlecht, nicht gut, aber okay. Wir haben uns etwas mit Marina unterhalten und gingen dann zurück zum Van um die weiteren Schritte zu besprechen. Wir beschlossen, alles was nötig ist hier in Mar del Plata zu erledigen und nötig war einiges. So mussten wir erstmal unsere Kleider, den Wagen und nicht zuletzt uns selber waschen. Ausserdem hat sich die notdürftig reparierte Aufhängung wieder bemerkbar gemacht und ein Ölwechsel stand an. Nicht zuletzt sollten wir längst eines des Zündkabel ersetzen. Die Isolation war hinüber und unter Last sprang der Funke aus dem Kabel an den Motorblock anstatt über die Zündkerze.
Als erstes haben wir die Kleider in die Wäscherei gebracht, das Auto gewaschen und alles rausgeputzt, das hat uns schonmal einen halben Tag gekostet. Als wir der Besitzerin der Autowäscherei erzählt haben, wo wir schlafen, hat sie uns gewarnt, dass dies wohl die schlimmste Gegend in der ganzen Stadt sei und bot uns an im Hinterhof der Wäscherei zu parken und zu schlafen. Und zwar Gratis! Um den ganzen patagonischen Staub loszuwerden wollten wir dem Wagen auch eine Chassiswäsche gönnen, allerdings haben wir in der ganzen Stadt niemanden gefunden, der einen Lift hat um unseren 3′800kg schweren Van hoch genug anzuheben. Am Abend haben wir uns mit Fernanda getroffen, einer weiteren Couchsurferin aus Mar del Plata. Obwohl sie am nächsten Tag arbeiten musste und wir um 8 Uhr morgens einen Termin in einer Garage hatten sind wir bis 3 Uhr Morgens in einer Bar mit selbstgebrautem Bier gesessen und haben gequatscht, gegessen und getrunken. Sie hat uns übrigens bestärkt bei der Wäscherei zu parken und dass wir auf keinen Fall nochmal in der Gegend von Marinas Haus parken sollten. Dort traue sich nichtmal die Polizei hin… Also verbrachten wir die nächste Nacht im Hinterhof der Wäscherei, ruhig sicher und mit Wireless
Es kam wie es kommen musste, wir verpassten den Termin, die Garage war für den Rest des Tages ausgebucht und wir wollten bis heute Abend alles erledigt haben, bevor wir morgen früh weiter nach Buenos Aires fahren. Also haben wir Gas gegeben und wiederum konnten wir durch ein paar glückliche Zufälle innerhalb einiger Stunden alles erledigen. Das Auto hat neues Öl und einen neuen Ölfilter, der Typ der das Öl gewechselt hat, schickte uns zwei Blocks weiter um die Aufhängung zu checken. Das Problem wurde für schlappe 40 Pesos repariert und nach ein paar Anläufen konnten wir sogar ein passendes Zündkabel finden. Dies war ziemlich schwierig, da es dieses Auto hier ganz einfach nicht gibt. Ausserdem ist es eine Qual an die Zündkabel heranzukommen, der Motor liegt nämlich quasi zwischen Fahrer und Beifahrersitz und man kommt nur vom innern des Wagens an die Kabel ran. Jetzt sitzen wir wieder im Van hinter der Wäscherei bei einem wohlverdienten Bier und später treffen wir uns nochmals mit Fernanda. Morgen gehts nach Buenos Aires… das wird mir was werden. Wenn man in Argentinien Schweizermässig Auto fährt, bleibt man an der ersten Kreuzung stehen. Hier gilt: “De schnäller isch de Gschwinder” oder wer das grössere Auto hat hat Vortritt. Ich bin gespannt wie wir uns in Buenos Aires zurechtfinden.







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