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Florianópolis

Nach dem vielen Süsswasser, der subtropischen Feuchtigkeit und einer langen Busfahrt sind wir am Samstag morgen in Florianópolis an der brasilianischen Atlantikküste angekommen. Genauer gesagt sind wir auf die Ilha de Santa Catarina gefahren. Diese ca. 40 km lange Insel ist bei den Brasilianern, den Argentiniern wie auch bei den Uruguayanern ein beliebtes Ziel für die Sommerferien (ja, Sommer, wir sind hier schliesslich auf der Südhalbkugel). Es gibt Kilometerlange Sandstrände, mit Dschungel überwachsene Hügel, riesige Sanddünen und natürlich Caipis ohne Ende.

Wir hatten Glück, denn zur Zeit beginnt da gerade die Hochsaison und wir hatte kein Zimmer reserviert. Im coolen Backpackers Hostel gleich oberhalb vom Strand von Barra da Lagua konnten wir uns genau noch die letzten zwei freien Betten ergattern. Ohne Reservation geht hier zu der Jahreszeit sonst gar nix. Das Hostel war also voll, voll mit Australiern. Ein Australier – kein Problem, zwei Australier – kein Problem. Aber 15 Australier können einem ganz schön auf die Eier gehen. Das waren halt ausnahmslos Surfer von der ganz coolen Sorte, “ibi ibi en sörfer, weisch”

Wieauchimmer, wir hatten die ganzen 4 Tage prima Wetter und konnten endlich mal unsere Bäuche in die Sonne halten. Gestern hat es sogar für einen knapp 2 Stündigen Marsch über einen der mit Dschungel überwachsenen Hügel gereicht. Aber so richtig warm wurde ich mit Brasilien bisher nicht. Die sprechen ausschliesslich Portugiesisch und können halt auch nichtmal Spanisch. Vermutlich gibts bessere Orte um Brasilien kennenzulernen als das vom Tourismus verwöhnte Floripa, aber eigentlich Stand Brasilien ja auch nicht auf meinem Plan.

Und so sind unsere 4 Tage und 3 Nächte hier schon wieder verstrichen. Um ein Haar hätten wir auch unseren teuren Bus zurück nach Buenos Aires verpasst. Das wär dann wirklich übel gewesen, zumal man Bustickets mehrere Tage im Voraus buchen muss, somit hätten wir zwangsläufig noch ein paar Tage länger bleiben müssen. Glücklicherweise haben wir den Bus trotz unseren 10 Minuten Verspätung gerade noch erwischt.

So sitze ich einmal mehr in einem Langstreckenbus und finde etwas Zeit um wieder einen Artikel zu schreiben. Wir sind bereits seit 10 Stunden unterwegs, und es stehen nochmal etwa 15 an, bis wir in Buenos Aires ankommen. Da gibts dann kurz zwei Tage Pause und dann geht der Bus-Marathon auch gleich weiter. Wir wollen am 28. Dezember in Ushuaia sein und müssen dazu noch etwa 3000 Kilometer zurücklegen. Dazwischen gibts noch einen Zwischenstopp in Puerto Madryn und einen Ausflug auf die Halbinsel Valdes.

Wenn wir dann endlich in Ushuaia, am Ende der Welt sind, hab ich auch genug von der ständigen Busfahrerei und werde mindestens eine Woche lang in Ushuaia bleiben und allenfalls ein paar Tageausflüge machen. Die Busse hier sind zwar wirklich bequem, und mit Übernachtfahrten spart man sich quasi auch eine Übernachtung. Aber es ist halt trotzdem nicht dasselbe wie ein Bett 🙂

Viel Wasser – Iguazú Wasserfälle & Itaipu Staudamm

Nach der anstrengenden Busfahrt nach Puero Iguazú konnten wir uns im wunderbaren Hostel Inn ersteinmal richtig erholen. Am Montag und am Dienstag sind wir den ganzen Tag nur am Pool rumgegammelt und haben uns die Bäuche von der Sonne bräunen lassen. Unsere Zimmergenossinen, Sheree & Cristy aus New York sind zwei waschechte New Yorker Partymädels, die sich ein paar Wochen Urlaub in Brasilien und Argentinien gönnten.

Am Mittwoch ging es dann mit den beiden in den Nationalpark, der die Iguazu Fälle auf der argentinischen Seite der Fälle umgibt. Es gab tonnenweise Schmetterlinge, Eidechsen und Ameisenbären. Die kleinen sind ganz schön frech und haben sich natürlich an die vielen Menschen im Nationalpark gewöhnt.

Die Wasserfälle sind atemberaubend. Über 200 grössere und kleinere Wasserfälle stürzen da bis zu 80 Meter in die Tiefe. Allen voran der gigantische Garganta del Diablo (Teufelsrachen). An dieser Stelle hat die Erosion eine riesige Schlucht mitten in den Rio Paranà gerissen. In Worten lässt sich das kaum beschreiben. Am besten lass ich die Bilder sprechen, auch wenn diese nie die gewonnenen Eindrücke vermitteln können.

Itaipu Staudamm

Am nächsten Tag sind wir mit dem Bus über die brasilianische Grenze nach Foz do Iguaçu gefahren. In der relativ kleinen Grenzstadt ist eigentlich nichts los. Man kann von da aus die Wasserfälle nochmals von der brasilianischen Seite anschauen. Wie wir aber vermehrt gehört haben, ist das kein Vergleich zur argentinischen Seite. Von Brasilien aus sieht man die Fälle eigentlich einfach aus einer grösseren Entfernung und einer anderen Perspektive während man in Argentinien mitten in das tosende Wasser vordringen kann.

Wir haben uns deshalb entschieden, die Wasserfälle hinter uns zu lassen, einmal zu übernachten um dann am nächsten Tag den riesigen Itaipu Staudamm zwischen Brasilien und Paraguay anzuschauen. Ursprünglich wollten wir das zweitgrösste Wasserkraftwerk der Welt von der paraguayanischen Seite aus anschauen, aber nachdem uns viele Leute davor gewarnt haben, nach Ciudad del Este in Paraguay zu gehen, haben wir diesen Ausflug gestrichen und uns den Damm von der brasilianischen Seite aus angeschaut.

Es war absolut beeindruckend. Wir haben eine ausführliche Besichtigung des Kraftwerks gemacht, die ich jedem empfehlen kann, auch für technische Laien ist die Besichtigung jeden Real (bras. Währung) Wert. Der Stausee ist über 1400 km² gross und die insgesamt 20 Turbinen produzieren unglaubliche 14’000’000Kw. Der Bau des Kraftwerks hat 25 Milliarden US$ gekostet und war ein gemeinsames Projekt zwischen Brasilien und Paraguay. Etwa 40’000 Menschen, die im gefluteten Gebiet gelebt haben mussten umziehen. Die Regierung hat die Menschen umgesiedelt und so weitere Teile des Landes bevölkert. In dem riesigen Stausee ist soviel Wasser, dass man jedem Bewohner der Erde etwa 4800 Liter Wasser geben könnte. Ausserdem wurden unzählige Tiere evakuiert und umgesiedelt. Es gibt sogar einen 10km langen Ausgleichsfluss, damit die Fische aus dem Rio Paranà unterhalb des Damms zurück in den See schwimmen können, um zu ihren Laichplätzen zu gelangen.

Paraguay mit seinen ca. 7 Mio Einwohnern deckt praktisch seinen gesamten Energiebedarf mit nur zwei der 20 Turbinen. Jedes Land besitzt je 10 Turbinen, wobei Paraguay den grössten Teil der gewonnenen Energie an Brasilien verkauft um die Schulden zu tilgen, die beim Bau des Damms entstanden sind. Die erste Turbine wurde 1982 in Betrieb genommen, die letzte erst 2007. Neun der Turbinen stammen aus Deutschland, weitere 9 aus der Schweiz und nocheinmal zwei wurden in Frankreich hergestellt. Die Dinger sind riesig.

Da das Projekt ein gemeinsames Projekt der zwei Staaten ist, wird peinlich genau darauf geachtet, dass alles genau aufgeteilt wird. So sind jeweils 50% der Mitarbeiter aus Brasilien, die andere Hälfte aus Paraguay. Das Kontrollzentrum bildet quasi die Grenze zwischen Paraguay und Brasilien. Eigentlich stand ich also für ein paar Minuten auf paraguayanischem Boden. Allerdings hat das nicht für einen Stempel im Pass gereicht.

Der “Spillway”, also der Teil, der überschüssiges Wasser aus dem Stausee abfliessen lässt, um das Niveau des Stausees zu regulieren ist meistens geschlossen. Wir hatten aber Glück innerhalb der 10% der Zeit da zu sein, wo die gigantischen Schleusen geöffnet wurden. Durch diesen Abfluss rauschen pro Sekunde unfassbare 10.5 Millionen Liter Wasser, die in einer riesigen Fontäne im Rio Paranà landen. Das ist etwa 3mal so viel Wasser, wie die Iguazu Fälle runterdonnern. Auch hier sagen Bilder wohl mehr als tausend Worte.

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