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Viel Wasser – Iguazú Wasserfälle & Itaipu Staudamm

Nach der anstrengenden Busfahrt nach Puero Iguazú konnten wir uns im wunderbaren Hostel Inn ersteinmal richtig erholen. Am Montag und am Dienstag sind wir den ganzen Tag nur am Pool rumgegammelt und haben uns die Bäuche von der Sonne bräunen lassen. Unsere Zimmergenossinen, Sheree & Cristy aus New York sind zwei waschechte New Yorker Partymädels, die sich ein paar Wochen Urlaub in Brasilien und Argentinien gönnten.

Am Mittwoch ging es dann mit den beiden in den Nationalpark, der die Iguazu Fälle auf der argentinischen Seite der Fälle umgibt. Es gab tonnenweise Schmetterlinge, Eidechsen und Ameisenbären. Die kleinen sind ganz schön frech und haben sich natürlich an die vielen Menschen im Nationalpark gewöhnt.

Die Wasserfälle sind atemberaubend. Über 200 grössere und kleinere Wasserfälle stürzen da bis zu 80 Meter in die Tiefe. Allen voran der gigantische Garganta del Diablo (Teufelsrachen). An dieser Stelle hat die Erosion eine riesige Schlucht mitten in den Rio Paranà gerissen. In Worten lässt sich das kaum beschreiben. Am besten lass ich die Bilder sprechen, auch wenn diese nie die gewonnenen Eindrücke vermitteln können.

Itaipu Staudamm

Am nächsten Tag sind wir mit dem Bus über die brasilianische Grenze nach Foz do Iguaçu gefahren. In der relativ kleinen Grenzstadt ist eigentlich nichts los. Man kann von da aus die Wasserfälle nochmals von der brasilianischen Seite anschauen. Wie wir aber vermehrt gehört haben, ist das kein Vergleich zur argentinischen Seite. Von Brasilien aus sieht man die Fälle eigentlich einfach aus einer grösseren Entfernung und einer anderen Perspektive während man in Argentinien mitten in das tosende Wasser vordringen kann.

Wir haben uns deshalb entschieden, die Wasserfälle hinter uns zu lassen, einmal zu übernachten um dann am nächsten Tag den riesigen Itaipu Staudamm zwischen Brasilien und Paraguay anzuschauen. Ursprünglich wollten wir das zweitgrösste Wasserkraftwerk der Welt von der paraguayanischen Seite aus anschauen, aber nachdem uns viele Leute davor gewarnt haben, nach Ciudad del Este in Paraguay zu gehen, haben wir diesen Ausflug gestrichen und uns den Damm von der brasilianischen Seite aus angeschaut.

Es war absolut beeindruckend. Wir haben eine ausführliche Besichtigung des Kraftwerks gemacht, die ich jedem empfehlen kann, auch für technische Laien ist die Besichtigung jeden Real (bras. Währung) Wert. Der Stausee ist über 1400 km² gross und die insgesamt 20 Turbinen produzieren unglaubliche 14’000’000Kw. Der Bau des Kraftwerks hat 25 Milliarden US$ gekostet und war ein gemeinsames Projekt zwischen Brasilien und Paraguay. Etwa 40’000 Menschen, die im gefluteten Gebiet gelebt haben mussten umziehen. Die Regierung hat die Menschen umgesiedelt und so weitere Teile des Landes bevölkert. In dem riesigen Stausee ist soviel Wasser, dass man jedem Bewohner der Erde etwa 4800 Liter Wasser geben könnte. Ausserdem wurden unzählige Tiere evakuiert und umgesiedelt. Es gibt sogar einen 10km langen Ausgleichsfluss, damit die Fische aus dem Rio Paranà unterhalb des Damms zurück in den See schwimmen können, um zu ihren Laichplätzen zu gelangen.

Paraguay mit seinen ca. 7 Mio Einwohnern deckt praktisch seinen gesamten Energiebedarf mit nur zwei der 20 Turbinen. Jedes Land besitzt je 10 Turbinen, wobei Paraguay den grössten Teil der gewonnenen Energie an Brasilien verkauft um die Schulden zu tilgen, die beim Bau des Damms entstanden sind. Die erste Turbine wurde 1982 in Betrieb genommen, die letzte erst 2007. Neun der Turbinen stammen aus Deutschland, weitere 9 aus der Schweiz und nocheinmal zwei wurden in Frankreich hergestellt. Die Dinger sind riesig.

Da das Projekt ein gemeinsames Projekt der zwei Staaten ist, wird peinlich genau darauf geachtet, dass alles genau aufgeteilt wird. So sind jeweils 50% der Mitarbeiter aus Brasilien, die andere Hälfte aus Paraguay. Das Kontrollzentrum bildet quasi die Grenze zwischen Paraguay und Brasilien. Eigentlich stand ich also für ein paar Minuten auf paraguayanischem Boden. Allerdings hat das nicht für einen Stempel im Pass gereicht.

Der “Spillway”, also der Teil, der überschüssiges Wasser aus dem Stausee abfliessen lässt, um das Niveau des Stausees zu regulieren ist meistens geschlossen. Wir hatten aber Glück innerhalb der 10% der Zeit da zu sein, wo die gigantischen Schleusen geöffnet wurden. Durch diesen Abfluss rauschen pro Sekunde unfassbare 10.5 Millionen Liter Wasser, die in einer riesigen Fontäne im Rio Paranà landen. Das ist etwa 3mal so viel Wasser, wie die Iguazu Fälle runterdonnern. Auch hier sagen Bilder wohl mehr als tausend Worte.

Next Stop: Florianópolis

Me gusta la guitarra, Buenos Aires -> Iguazú

Nachdem ich dank Cery aus Neuseeland wiedermal eine Gitarre in den Händen gehalten habe war für mich klar. Ich brauche eine Gitarre für die Reise. Schliesslich trage ich ja auch mein Rodrigo y Gabriela 11:11 Chordbook mit mir rum. Zufälligerweise habe ich eine Strasse gefunden, an der sich unzählige Gitarren- und Musikläden aneinanderreihen. Die Suche nach einer guitarra usado, also einer gebrauchten Gitarre führte nicht zum Erfolg. Ich hab dann aber ein hübsches Stück zum Neupreis von knapp 700 Pesos gefunden. Inkl. Tasche, Stimmgerät, einem Satz Saiten und ein paar Plektren konnte ich mir diese neue Gitarre für 800 Pesos ergattern (siehe Fotos). Das sind umgerechnet etwas 220 CHF. Eigentlich ein ziemlich guter Preis für eine neue Gitarre, ist zwar nicht vergleichbar mit meiner handgemachten Hanika zu Hause, aber für die Reise mit den ständigen Temperatur- und Feuchtigkeitswechseln alle mal tauglich…

Ausserdem waren wir letzte Woche beim Metzger und wollten uns etwas gutes Fleisch für ein Zürcher Geschnetzeltes kaufen. Wir wollten da was vom besten Stück Rind, dass die da im Angebot hatten. Leider gabs das nur Kiloweise, also was solls, haben wir uns für 30 Pesos (ca. CHF 7.50) ein Kilo Rindfleisch gekauft und eine dicke Portion Geschnetzeltes gekocht. Es war superlecker, nur der Rahm hierzulande ist irgendwie seltsam. Fein war es trotzdem.

Am Samstag haben wir uns dann zur Retiro aufgemacht, so heisst der Busbahnhof in Buenos Aires. Dieser macht dem Ausdruck Busbahnhof alle Ehre. Das Teil ist vermutlich fast so gross wie der Flughafen in Kloten. Alle paar Minuten fahren hier Busse in alle Richtungen los.
Wir haben uns für einen Bus nach Puerto Iguazú in der Cama Ejecutivo Klasse entschieden. Das ist so ungefähr erste Klasse. Es gibt da aber auch noch eine bessere Klasse, mit Ledersitzen und so. Der Bus ist prima, es gibt breite Sessel, mit verstellbarer Rückenlehne sodass man eigentlich gut schlafen kann, eine Liege für die Füsse, was zu Essen und zu Trinken, eine Klimaanlage und Fernseher im Bus. Der Bus fuhr um 19.00 Uhr los und sollte am nächsten Tag gegen 12:30 in Puerto Iguazú ankommen.

Ich hab dann etwas geschlafen, bis der Bus um etwa 2 Uhr morgens mitten auf einer Landstrasse angehalten hat. Immer noch im Halbschlaf hab ich mitbekommen, dass das Personal da irgendwie was am Bus rumfummelt. Wieauchimmer, gegen 3 Uhr wurden wir alle angehalten den Bus zu verlassen. Hinter uns stand dann ein weiterer Bus der Semi-Cama Klasse in den wir alle umsteigen mussten. Das Gepäck wurde umgeladen, die Fahrgäste irgendwo noch im zweiten Bus verstaut und dann ging die Reise halt in der Semi-Cama Klasse weiter.

Tja, und da sitz ich jetzt, auf einem nicht mehr ganz so bequemen Sessel im Bus und warte darauf, dass die Zeit vergeht. Es ist jetzt etwa 10:30 aber aufgrund der Panne haben wir ziemlich Verspätung. Wenn ich den Fahrer recht verstanden habe, werden wir nicht vor 16 Uhr ankommen. Also genug Zeit um euch daheim wieder was zu erzählen, ein paar Vokabeln zu lernen und Musik zu hören, bis sie einem zu den Ohren raushängt. Immerhin sitz ich in dem doppelstöckigen Bus oben und kann derweil etwas in die Landschaft hinausstarren. Es ist unglaublich wie schnell sich hier das Landschaftsbild ändert. Von Sümpfen, über trockene Steppen, grüne Kuhweiden, hügelige Wälder und dann wiedermal eine Stadt. Mittlerweile haben wir wieder eine Asphaltierte Strasse unter uns, viele Abschnitte sind einfache Schotterpisten von rötlichem Sand. Laut Reiseführer sind nur etwa 29% von Argentiniens Strassen asphaltiert und weitere 17% “improved” (engl. für verbessert), was auch immer das heissen mag…

So, wir sind in Puerto Iguazú angekommen. Das Hostel Inn gleicht einem Luxus Resort für Traveller. Und das ganze zu Hostel Preisen. Es handelt sich um ein ehemaliges Casino, alles ist neu, hier gibts den grössten Pool der Stadt. Jede Menge Leute, schöne Bungalows. Hier lässt es sich leben!

Bald gibt es wieder Neuigkeiten und schöne Bilder von den breitesten Wasserfällen der Welt. Ich bin gespannt…