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Peru Teil 2 – oder 20'000km – oder 300 Tage

Seit meinem letzten Artikel sind schon wieder fast 2 Monate vergangen und es ist einiges passiert, aber alles der Reihe nach…  Erstmal gibts was zu feiern: Ich bin seit über 300 Tagen unterwegs und habe mit der Karre über 20’000km zurückgelegt.

Nach unserer Rundreise zum Cotahuasi Cañon sind Meurig und ich nach Cusco gefahren. Auf dem Campingplatz über der Stadt haben wir Didi und Susanne, ein Päärchen aus Graubünden kennengelernt und eine prima Zeit gehabt. Allerdings musste Meurig nach ein paar Tagen in ein Hostel umziehen, um Fernanda platz zu machen. Fer hatte zwei Wochen Urlaub und kam mich in Peru besuchen.

Cusco ist eigentlich ziemlich schön aber für meinen Geschmack viel zu touristisch. “Masaje Amigo” hört man den ganzen Tag, während man durch die alte Stadt mit den engen Gassen läuft, auch wenn man erst 2 Minuten vorher klargemacht hat, dass man zumindest im Moment keine Interesse hat. Ziemlich nervig mit der Zeit…

Natürlich haben wir uns auch Machu Picchu nicht entgehen lassen. Allerdings haben wir uns aufgrund der knappen Zeit mit Fernanda für die Turbo 2-Tages Variante mit der berühmten Eisenbahn entschieden. Obwohl ich mir die Ruinen zuerst gar nicht anschauen wollte (Boykott dem Massentourismus!), liess ich mich von Fernanda überzeugen. Und tatsächlich, es war absolut eindrücklich. Allerdings ist ein Tour-Guide praktisch ein muss. Ohne das ganze Hintergrundwissen ist auch Machu Picchu mit seiner mythischen Position nicht viel mehr als ein Haufen Steine. Mit dem Führer jedoch, war es absolut eindrücklich und jeden Dollar wert. Besonders der Sonnenaufgang war ein Highlight!

Mit Meurig und Fernanda an bord sind wir dann endlich an die Küste gefahren, das Meer habe ich vor Monaten zum letzten mal in Chile gesehen. Zuerst haben wir aber in der Oase Huacachina eine Pause eingelegt. Das Bild der Oase prägt auch die Rückseite der 50 Soles Geldnote und ist wirklich erstaunlich. Umgeben von Sanddünen und nur einen Steinwurf von Ica entfernt säumen sich ein paar Hostels und Restaurants um den kleinen See. Wie die meisten Touristen wollen auch wir dem Sandboarden nochmal eine Chance geben. Mit einem Sand-Buggy sind wir dann am späten Nachmittag über die Sanddünen gebrettert bevor wir ein paar wirklich grosse Dünen mit dem Sandboard runterfahren konnten. Zum Abschluss genossen wir einen wunderschönen Sonnenuntergang bevor wir dann am nächsten Morgen endlich an der Küste nähe der Halbinsel Paracas angekommen sind. Das Meer hier war zwar kalt und der Wind konnte einem wortwörtlich aus den Schuhen wehen, aber es war trotzdem super.

In Lima haben wir dann Fernanda zum Flughafen gebracht und Meurig und ich sind alleine wieder weg von der Küste und wieder hoch in die Anden nach Huaraz gefahren. Die Cordillera Blanca, wie die Andenkette dort heisst, beherbergt auf relativ kleinem Raum 33 Gipfel über 5’500 Meter. Huaraz selber hat uns nicht wirklich gefallen und so sind wir weiter nach Yungay gefahren, wo es zwei wunderschöne Lagunen zwischen zwei dieser eindrücklichen Berggipfel gibt. Allerdings war der Campingplatz ziemlich lausig und relativ weit weg von den Lagunen. Ohne zu wissen, was uns erwartet sind wir der Strasse weiter gefolgt, bis wir die Cordillera durchquert und auf der anderen Seite in Yanamà wieder rausgekommen sind. Mit nur wenig Benzin und noch weniger Geld, wollten wir die Cordillera umfahren und dann weiter nördlich wieder runter zur Küste kommen. Benzin und Geldautomaten sind so weit abseits aber eine Seltenheit und so wurde der Trip zu einem separaten Abenteuer, mit dem letzten Cent und dem letzten Tropfen Benzin sind wir eine Woche später dann endlich in Chimbote wieder auf den Panamerican Highway gestossen.

Mit frischem Geld und frischem Benzin ging es weiter nach Trujillo, genauer gesagt nach Huanchaco. Dieses kleine Nest nahe Trujillo ist vorallem im Sommer bei Surfern beliebt. Der Strand ist zwar nicht wunderschön, aber es ist warm genug um sich mal im Surfen zu versuchen und etwas Beach Feeling aufkommen zu lassen. In Huanchaco haben wir auch Didi und Susanne nochmals getroffen, bevor die zwei dann weiter nach Ecuador gefahren sind. Meurig und ich sind von da aus zusammen nach Mancora gefahren, dem laut Lonely Planet “am schlechtesten behüteten Geheimtipp in Peru”. Mit schönem Strand, vielen Lokalen und vielen Leuten ist der Ort bei Argentiniern, Peruanern und Ecuadorianern sehr beliebt und in der Hochsaison von Dezember bis Februar geht hier jeden Tag die Post ab. Im Moment ist es vergleichsweise Ruhig aber an guten Leuten und Parties fehlt es hier nie. Und nicht zuletzt hat das Loki Hostel hier einen super Platz für die Karre.

Vor drei Tagen ist Meurig wieder nach Hause nach Wales geflogen und ich bin wiedermal alleine am Start. Jetzt freue ich mich auf Besuch aus der Schweiz im Dezember und im Januar.

on the road again – vom Titikakasee zum Cotahuasi Cañon

Ich melde mich nach meiner WM Pause in Buenos Aires zurück. On the road again!

Da ich nach Bolivien vom Reisen etwas die Schnauze voll hatte und mich das Heimweh plagte habe ich mich entschlossen, die Karre in La Paz für ein paar Wochen zu parkieren und zu meinen argentinischen Freunden zurück nach Buenos Aires zu fliegen. Nicht zuletzt um da die WM mitzuverfolgen. Leider wurde aus allen meine Favoriten nichts, Argentinien verlor lausig gegen Deutschland, Ghana wurde absolut unfair von Uruguay aus der Meisterschaft gekickt und von der Schweiz brauchen wir gar nicht erst reden, die versagen sowieso jedesmal wenns ernst wird.

Wieauchimmer – auf jeden Fall hatte ich 6 Wochen lang eine Super Zeit in Buenos Aires mit guten Leuten, Fussball und entsprechend viel Bier 🙂
Ende Juli bin ich aber – mit neuer Reisefreude – zurück nach La Paz geflogen. Während meines letzten Aufenthaltes in La Paz habe ich Meurig aus Wales kennengelernt mit dem ich von Buenos Aires aus regelmässig Kontakt hatte. Seine Reise würde auch nach Peru führen, weshalb ich ihm angeboten habe mich ein Stück mit dem Camper zu begleiten. Gautier aus Frankreich hat sich auch gleich dazugesellt und somit sind wir Anfangs August zu dritt von La Paz aus losgefahren.

Unsere erste Station waren die Ruinen von Tiwanaku in Nord-Bolivien. Dies war ein ziemlicher Reinfall, da wir alle drei kein Geld für den Eintritt dabeihatten und es da weit und breit keinen Bankautomaten gibt. Meine Dollarreserven wurden zusammen mit meiner Sonnenbrille in La Paz im Hostel geklaut. Uns blieb nichts anderes übrig als zurück nach El Alto zu fahren wo wir aber direkt in Richtung Copacabana am Titicacasee abgebogen sind. Tiwanaku konnte uns mal da wos ständig dunkel ist.

Der Titicacasee ist der grösste See Südamerikas und gleichzeitig der höchste Schiffbare See der Welt und ist wahnsinnig schön. Am bolivianischen Grenzort Copacabana haben wir uns ein kleines altmodisches Segelboot gemietet und sind einen Tag lang auf dem See herumgesegelt.

Nach drei entspannten Tagen machten wir uns auf zur Peruanischen Grenze. Neues Land, neues Glück, neuer Spass. Der Grenzübertritt dauerte geschlagene drei Stunden. Nicht etwa weil die Beamten unser Fahrzeug gründlich durchsucht hätten, sondern weil – “no hay sistema” – deren Computersystem nicht funktionierte. Nach zweieinhalb Stunden haben sie dann endlich das Formular von Hand ausgefüllt und uns gehen lassen.

Am nächsten Tag erreichten wir Arequipa, die zweitgrösste Stadt Perus auf etwa 2300 Meter über Meer. Es war spürbar wärmer als auf den 3800 m. am Titicacasee und das Zentrum Arequipas ist ziemlich schön, allerdings sieht man als Selbstfahrer jeweils auch die hässlichen und armen Aussenbezirke dieser Städte. Da haben wir uns zwei Tage entspannt und machten uns dann auf zum knapp 400km entfernten Cotahuasi Cañon. Die Meisten Touristen hier besuchen den näher gelegenen und einfacher erreichbaren Colca Cañon, der auch ziemlich tief ist. Wir allerdings haben uns zum wohl tiefsten Canyon der Welt aufgemacht, über unbefestigte Strassen und absolut abseits vom Tourismus. Während der vier Tage in Cotahuasi und Umgebung haben wir gerade mal 3 Touristen gesehen. Der Canyon und das ganze Cotahuasi-Tal ist atemberaubend. Wir haben die thermalen Quellen in Luicho besucht und eine ganztägige Wanderung nach Quechualla unternommen, das nur zu Fuss erreichbar ist. In dem kleinen Ort mitten im Canyon leben nur eine Handvoll Leute. Diese bauen Früchte an und stellen Weine her, die Sie dann auf Eseln nach Cotahuasi transportieren und da verkaufen. Auf dem Weg dahin kommt man an den Sipia Wasserfällen und einem ganzen Wald aus Kakteen vorbei. Es war unglaublich ruhig, entspannt und eindrücklich.

Mittlerweile sind wir zurück in Arequipa wo wir dem Camper (und uns) eine Wäsche gönnen bevor wir nächste Woche nach Cusco weiterfahren.