Tag Archives: puerto natales

Puerto Natales – El Calafate

Während der letzten Tage in Puerto Natales sind wir noch etwas durch die kleine Stadt geschlendert und haben uns mit Marc und den vier Mädels, die wir alle auf dem Torres del Paine Trek kennengelernt haben Essen gegangen. Anschliessend durften wir es uns im Hinterhof von Omars Hostel noch mit Wein und Bier gemütlich machen, ein Feuer anzünden und mit Gitarre und Gesang unser Torres del Paine erlebnis ausklingen lassen. Marc fliegt zu seiner Freundin nach Neu Kaledonien und die Mädels, die echt Hardcore Trekker sind, gehen nach El Chalten und trekken sich dort gleich weiter die Füsse wund. Für Johnny und mich heisst die nächste Station El Calafate.

El Calafate – Perito Moreno Gletscher

Ohne Touristen wäre in El Calafate wohl auch nicht viel los. An Jeder Ecke gibt es Souvenirläden und Tour-Büros um den nahegelegenen Perito Moreno Gletscher zu besichtigen. Unsere Pläne waren ziemlich unklar. Johnny möchte eben so rasch wie möglich nach Norden und ich möchte eigentlich irgendwo wo es mir gefällt die paar Wochen verbringen, bis ich endlich mein Auto übernehmen kann. El Chalten haben wir übersprungen denn vom Wandern und kalten Winden haben wir für den Moment genug und ich kann da immer nochmal hinfahren, wenn ich dann endlich mein Auto habe.
Einmal mehr wollten wir uns von den Touristenströmen loslösen und haben entschieden, uns wiedermal ein Auto zu mieten. Wir hatten zuvor den Tipp erhalten, dass der Nationalpark erst gegen 7.30 öffnet und man sich die happigen 75 Pesos Eintritt sparen könne, wenn man früher schon dort ist. Also sind wir um 5 Uhr aufgestanden, haben alles gepackt und haben uns gegen 6 Uhr auf den Weg zum ca. 70 km entfernten Gletscher gemacht. Jedoch haben die Parkwächter offenbar mittlerweile kapiert, dass sich gewisse Leute zu früh reinschleichen und so stand ein bewaffneter Parkwächter auch schon um 6.30 am Parkeingang und hinderte uns am kostenlosen Eintritt.
So mussten wir halt nochmal eine geschlagene halbe Stunde warten, konnten uns dafür den Sonnenaufgang anschauen. Immerhin waren wir die ersten Besucher im Park und konnten uns am Aussichtspunkt breitmachen. Der Gletscher schiebt sich pro Tag etwa 2 Meter nach vorne, was dazu führt, dass es im riesigen Eisfeld ständig laut knackt und Häusergrosse Eisberge abbrechen und mit viel getöse in den Lago Argentino fallen. Die Eiswand ragt steil etwa 60 Meter aus dem Wasser heraus und der erste Eisblock liess nicht lange auf sich warten. Riesige Stücke brachen aus der Eiswand und stürzten in die Tiefe. Leider fing es nach etwa einer Stunde stark zu regnen an, genau als die ersten Busse voll Touristen angekarrt kamen. So haben wir uns entschieden relativ früh wieder zurück nach El Calafate zu fahren und uns dafür noch auf die nächste 27 stündige Busfahrt nach El Bolson vorzubereiten.

Nun sitzen wir wieder im Bus und haben bereits etwa 20 Stunden Fahrt hinter uns. Leider gibt es auf dieser Strecke keine bzw. nur wenige der bequemen Cama Busse, also hab ich mir eine Flasche Rum mit auf den Bus genommen, damit ich wenigstens ein paar Stunden pennen kann. In ein paar Stunden werden wir in El Bolson ankommen, einer kleinen Hippiestadt wo sie ihr eigenes Bier brauen, und sich nicht gross um den Rest der Welt scheren. Ich bin gespannt.

Torres del Pain(e) in the ass

Torres del Paine war wirklich a pain in the ass!

Nachdem wir uns zuerst im Erratic Rock Hostel die kostenlose Informationsveranstaltung angehört haben waren wir bereit unsere Tour zu planen. Leider waren unsere Vorstellungen sehr unterschiedlich. Rahel wollte nur 3 Tage das berühmte “W” machen, Jonathan wollte in möglichst kurzer Zeit den kompletten Circuit machen und ich wollte eigentlich gemütlich den gesamten Circuit durchziehen. Damit alle zufrieden sind, haben wir uns für eine abgekürzte Version des Circuito entschieden. Und zwar den Circuit, ohne das “W”.

Insgesamt waren das ca. 70 Kilometer in 3.5 Tagen. Der erste Tag war noch ziemlich okay, das Wetter war stabil und der Weg war im Vergleich zum Trek in Ushuaia eine regelrechte Autobahn. Im ersten Camp haben wir uns entschieden, unsere Kräfte zu sparen und haben bereits gegen 15 Uhr das Zelt aufgestellt. Die Entscheidung nicht weiter zu gehen hat sich als weise herausgestellt, da schon am späten Nachmittag starker Regen eingesetzt hat.
Der zweite Tag führte uns durch das Tal bis zum Camp Los Perros und Rahel und mir verging schon die ganze Wanderlust. Durch den Regen war alles nass und sumpfig und das hüfthohe Gras bescherte uns klitschnasse Hosen. Als wir endlich im Camp los Perros, hinter dem gleichnamigen Gletscher angekommen waren, wollten wir am liebsten die Rega anrufen und uns abholen lassen. So sehr ist uns die Lust vergangen. Aber ab jetzt gab es kein zurück mehr. Vor uns lag der Paso John Gardener, den es zu überqueren galt.
Der Aufstieg zum Pass war wegen des unglaublich starken Windes sehr erschwerlich. Die Winde hier sind so stark, dass sie einen erwachsenen Mann mitsamt Rucksack einfach wegblasen können. Es war wirklich unglaublich. Als wir endlich auf dem Pass standen, waren die Winde so stark, dass man praktisch nicht mehr dagegen ankommen konnte. Schritt für Schritt kämpften wir uns gegen den Wind über die Krete, wo wir die einzigen 5 Minuten Sonne abgekriegt haben. Dafür bescherte uns dieses kleine Loch in den Wolken eine unglaubliche Aussicht auf den vor uns liegenden Gletscher Grey. Der Gletscher ist enorm. Selbst vom Pass aus konnte man nicht ausmachen, wie gross dieses Stück aus ewigem Eis ist.
Der Abstieg führte uns steil bergab durch rutschiges  und matschiges Terrain bis zum ersten Camp nach dem Pass. Doch dort gab es nur eine kurze Pause für eine Tasse heisse Suppe. Wir wollten bis zum nächsten Camp weiterlaufen und haben versucht, nicht zu sehr abzukühlen. Wenn man in dieser Nässe und Kälte anhält, kommt man kaum wieder in die Gänge. Jedoch standen uns zwei heikle Flussüberquerungen bevor. Der starke Regen hat die Flüsse in reissende Ströme verwandelt und Brücken gab es keine. Also musste man wohl oder übel durch das Wasser waten, oder versuchen mit grossen und präzisen Sprüngen trocken über den Fluss zu kommen. Doch es kam wie es kommen musste. Rahel rutschte aus und fiel mitsamt dem Rucksack in den Fluss. Wir konnten sie gerade noch festhalten, bevor der Bach sie mitgerissen hätte. Nun mussten wir unbedingt in Bewegung bleiben und liefen bis zum übernächsten Camp, dem Refugio Grey am Ende des Gletschers. Noch zweimal mussten wir solch starke Flüsse überqueren, doch diese beiden Male liefen wir einfach nur hindurch. Wir waren von Kopf bis Fuss mitsamt unseren Rucksäcken und dem Zelt durchnässt. Wir hofften nur noch, dass es im Refugio noch einen Schlafplatz in der warmen Hütte gab. Wir waren so frustriert und demotiviert. Wir hätten uns am liebsten nach Hause fliegen lassen.
Als wir endlich im Refugio angekommen waren, gab es zuerst eine heisse Schokolade und dann glücklicherweise ein mehr oder weniger warmes Zimmer, eine halbwegs warme Dusche und dann eine anständige Mahlzeit. Am nächsten Tag wollten wir unbedingt die erstbeste Fähre auf dem Lago Pehoe erwischen um so bald wie möglich wieder zurück in einem Hostel in Puerto Natales zu sein.
Glücklicherweise hatten wir heute strahlend schönes Wetter. Unsere Rucksäcke und Kleider trockneten, während wir die letzten 11 Kilometer zum Refigio Pehoe herunterliefen. Und auf dem Katamaran zurück zur Busstrecke konnten wir zum ersten mal das gesamte überwältigende Paine Massiv bestaunen. Die Berge sehen wunderschön aus, sofern die Sonne scheint und der Himmel blau ist. Drei Tage lang haben wir nichts von den ganzen Bergen und der ganzen Landschaft gesehen. Nur die triefenden Absätze des Vordermanns auf dem matschigen Weg.
Jetzt sitzen wir wieder im Warmen Hostel in Puerto Natales und in zwei Tagen geht es weiter nach El Calafate in Argentinien. Rahel wird voraussichtlich nach Punta Arenas fahren wo sie ein Flugzeug nach Puerto Montt erwischen will. Johnny und ich werden zuerst einmal nach Calfate und von dort aus nach El Chalten weiterreisen. Mit Trekking sind wir fürs erste fertig. Jeder Knochen und jeder Muskel tut weh. Alle Kleider stinken von Schweiss und der Nässe. Wir wollen beide wieder nach Norden, wo es wieder wärmer ist. Und bald werden sich wohl unsere Wege trennen. Ich werde auf mein Auto warten, und Johnny möchte in seiner restlichen Zeit noch bis nach Kolumbien hoch und will sich jetzt sputen. Wir werden sehen – Vamos a ver

Elevation Profile
Speed Profile

Ushuaia – Puerto Natales, Zeit für ein eigenes Auto

Nachdem letzten langen und ausführlichen Bericht jetzt mal etwas kurzes.

In Ushuaia habe ich mich noch mit Dieter getroffen, einem älteren Deutschen, der in nächster Zeit seinen Toyota Hiace verkaufen will. Ich habe irgendwo im Internet sein Inserat gesehen und möchte mir sowieso einen fahrbaren Untersatz zulegen. Busfahren ist hier ja ganz okay, aber man verpasst halt eine ganze Menge von der wunderschönen Landschaft. Ausserdem kann man nirgends anhalten, wenn man mit dem Bus unterwegs ist. Also muss ein Fahrzeug her!

Der Toyota war zwar alt, aber super im Schuss und ziemlich gut ausgebaut. Mit Bett, Wasserkanister, Vorzelt, vielem Werkzeug und allem was man so braucht für eine Reise durch Südamerika mit eigenem Auto. Ich habe Ihm gesagt, dass ich mich innerhalb einer Woche entscheiden werde.

Am Samstag sind wir mit dem Bus von Ushuaia nach Puerto Natales in Chile gefahren. Auf der Busfahrt haben wir auch das erstemal Bekanntschaft mit gründlichen Zollbeamten gemacht. Die Grenzüberquerung hat gute 2 Stunden gedauert. Wir mussten das gesamte Gepäck durch den Röntgenscanner laufen lassen, da es verboten ist, Früchte, Fleisch und andere frische Lebensmittel über die Grenze zu nehmen. Nach etwa 15 Stunden kamen wir endlich in Puerto Natales an.
Puerto Natales ist ein hübsches, kleines und verschlafenes Nest. Da es jedoch quasi das Sprungbrett für den Nationalpark Torres del Paine darstellt, wimmelt es hier von Travellern, Touristen und Kletterern.

Als ich im Hostel ein paar deutschen Kletterern gesagt habe, dass ich mir ein Auto kaufen wolle, haben die mir gesagt, dass ein paar Strassen weiter ein geiler Dodge Camper von einem Amerikaner steht, der zu verkaufen sei. Also bin ich los und hab mir das Ding angeschaut. Es war Liebe auf den ersten Blick! Es ist ein ’94er Dodge RAM350 Camper mit kompletter Ausstattung: Küche mit Gasherd und Kühlschrank, eine Dusche, eine Toilette, Strom über einen separaten Generator, Betten, und einem satten, blubbernden 5.2 Liter V8 Dodge Motor.

Ich hab den Jungs gesagt, ich müsse mir das überlegen. Schliesslich kostet diese Karre mehr als das Doppelte von dem was der Toyota kosten würde. Jedoch ist da natürlich auch viel mehr dran. Abgesehen davon ist das Auto 10 Jahre jünger und Ersatzteile findet man hier an jeder Strassenecke. Zwei Stunden später stand ich schon wieder vor dem Van, schaute mir alles nochmal gründlich an, machte eine Probefahrt und dann haben wir den Deal per Handschlag besiegelt. In ca. 4-5 Wochen darf ich das Baby mein neues Zuhause nennen. Ich kann es kaum erwarten

Morgen geht es in den Nationalpark Torres del Paine auf die nächste Wanderung. Jetzt brauchen wir aber noch ein Zelt, Nahrung, Beinzin für den Kocher und ein paar Infos. Bald gibts Bilder vom bekanntesten Trek der Welt.